2. Geschichte der Neuraltherapie

Die Entwicklung dieser Behandlungsmethode steht in engem Zusammenhang mit der Einführung der lokalen Betäubungsmittel (Lokalästhetika). Der Wiener Augenarzt KOLLER machte 1883 die ersten Selbstversuche mit der Schmerzstillenden Wirkung von Kokain und konnte noch im gleichen Jahr die ersten Staroperationen durchführen.

Damit begann ein Durchbruch in der Schmerzbehandlung und schmerzfreien Therapie (besonders Chirurgie, Rheuma). SCHLEICH entdeckte 1898 eine bis dahin unbekannte Seite des Kokains. Er bemerkte, dass nach örtlichen Kokain-Injektionen z.B. bei Ischiasschmerzen, rheumatischen Beschwerden oder Hexenschuss längerdauernde Schmerzintervalle auftraten, als das Medikament durch den Betäubungseffekt eigentlich erzielen konnte. Und die Schmerzempfindlichkeit war danach oft geringer. Dies beobachteten im gleichen Jahr auch die Ärzte SPIESS und BIER. Doch die Arbeit mit Kokain brachte auch Probleme durch toxische Nebenwirkungen sowie Suchtauslösungsprobleme.

So gelang es EINHORN bei den Bayer - Werken 1905 das Kokain Molekül so zu verändern, dass ein anderer Wirkstoff, dass bekannte Novocain (Procain) entstand. Die neue Substanz ist kaum toxisch - es besteht keine Suchtgefahr - und hat aber den gleichen schmerzstillenden Effekt.

Das setzte in allen Bereichen einen revolutionären Prozess in Gang. Eingriffe mit weniger Risiko unter lokaler Betäubung wurden möglich, und bald beobachtete man auch den ungewollten Nebeneffekt, dass lokale Betäubungen zum Teil bleibende Wirkung hatten.

Dies wurde 1925 von den Brüdern HUNEKE systematisiert. Sie erforschten, wie durch Novocain - Injektionen an bestimmten Punkten (z.B. Narben, gestörten oder störenden Regromen - Störfelder nannte man sie später oder an Nervenknoten) Heilungen an anderer Stelle möglich wurden. Das konnte sehr schnell gehen; es gelangen z. T. augenblickliche Effekte (Sekundenphänomen). Diese äußerst geringe Zeitspanne zwischen der Injektion und der therapeutischen Wirkung an anderer Stelle war nur über Mechanismen des Nervensystems erklärbar. 1940 entstand dann der Name "Neuraltherapie".