1. Karies und Zahnhalteapparatsentzündungen sind nicht vererbbar

Sie sind im Sinne einer Infektionserkrankung übertragbar, also auch vermeidbar.

In der Mundhöhle befinden sich Millionen von Bakterien und die allermeisten sind völlig ungefährlich. Sie sind für uns sogar sehr wichtig. Erfreulicherweise benötigen wir diese wenigen spezifischen Karies- und Zahnfleischentzündungen auslösenden Bakterien in keiner Weise für unser Leben. Im Gegenteil. Da nun jedoch der größte Teil der Menschen diesbezüglich infiziert ist und wir uns auch in hohem Maße zivilisationsbedingt mit Lebensmitteln ernähren, die eine gute Nahrung für die Mikroorganismen darstellen, können sich diese schon innerhalb weniger Stunden so vermehren, dass die bakteriellen Stoffwechselprodukte (Säuren, Toxine) in hohem Maße abgegeben werden und die Schädigung beginnt.

Säuren lösen Mineralien aus dem Zahn. Zunächst entsteht eine weiße fleckige Verfärbung, die sich allmählich braun färbt und dann langsam zu einem Loch wird... Die Toxine schädigen das Zahnfleisch und rufen zusammen mit den speziellen Bakterien eine Entzündungsreaktion aus. Sie zeigt sich zunächst als erstes Warnzeichen in Form von Zahnfleischbluten.

Mit zunehmender Entzündung verdickt sich das Zahnfleisch; die Zahnfleischmanschette löst sich allmählich vom Zahn und die Entzündung dringt tiefer. Allmählich wird auch der den Zahn haltende Knochen beteiligt. Er wird aufgelöst, schwindet. Die sogenannte Parodontose ist entstanden. Das Zahnfleisch geht zurück, die Zähne wandern, lockern sich, können immer weniger benutzt werden und fallen im Endstadium aus.

Neben den beiden eben erwähnten Faktoren, Bakterien und Nahrungsmittelkohlenhydrate, sind noch zwei weitere von Bedeutung, nämlich die Einwirkzeit und der Zahn selbst.

Einwirkzeit bedeutet: Die Bakterien benötigen 8-12 Stunden, um in einem solchen Maß heranzureifen, dass sie ihre schädliche Wirkung ausüben können (hier kann und muss die Zahnreinigung eingreifen).

Das alles steht aber verständlicherweise in direkter Beziehung zum Zahn (ohne Zahn keine Karies und keine Parodontitis oder Gingivitis, die Anfangsform einer Zahnhalteapparatsentzündung). Dazu spielen noch veranlagungsbedingte Faktoren eine Rolle. Wie stark ist die körpereigene Abwehrkraft, wie widerstandsfähig sind die Strukturen (Zähne, Halteapparat). Im Vordergrund unserer Bemühungen sollte jedoch nicht die Therapie stehen. Sie muss natürlich dort erfolgen, wo Schaden entstanden ist.

Unangenehmes Löcherbohren, Zahnsteinentfernen, aufwendige Zahnfleischbehandlungen, Zahnverlust und Zahnersatz müssen nicht sein, sie sind also keinesfalls schicksalhaft. Trotz modernster Technik sind sie immer noch unangenehm, sind letztlich nur eine Reparatur eines bleibenden entstandenen Körperschadens und kosten leider oftmals Lebensqualität und Geld.